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Reisebericht Bolivien

La Paz

Weiter ging es nach La Paz. Auf dieser Strecke konnte man schon noch einige Relikte der Straßensperrungen sehen (Steinhaufen z.B.), aber inzwischen war alles wieder ruhig. Die Stadt ist ziemlich groß und nicht besonders schön. Wir kamen Sonntag an und ungewohnterweise hatte alles geschlossen (nicht wie in Peru, wo es keine Mittagspausen oder Wochenenden gab). Naja, kein Platz, um sich lange aufzuhalten, außerdem lag unser Ziel ja in Sucre, so dass wir schnell weiterfuhren.

Silbermine in Ururo

Über Ururo ging es weiter, wo wir eine Silbermine besichtigten. Dorthin verirren sich nur aller paar Monate mal ein paar Touris. Die Tour durch die Mine war sehr interessant und abenteuerlich. Unsere zwei Führer nahmen uns mit durch enge Stollen, wo man teilweise gerade so durchkriechen konnte.

Silbermine Ururo
Silbermine Ururo
Der Berg sieht aus wie Schweizer Käse, die Gänge sind kreuz und quer durch das Gestein gemeißelt, wo eben grad Silber zu finden war. Heute arbeitet man dort wahrscheinlich nicht viel anders als vor 100 oder 200 Jahren, alles Handarbeit unter übelsten Bedingungen. Die Bergleute halten sich an ihrem 12stuendigen (oder längerem) Arbeitstag dabei mit Cocablättern und 96%igem Alkohol fitt. Das mussten wir natürlich auch probieren, ist aber nicht zu empfehlen, zumindest nicht der Alkohol. Coca kauen gehört hier mit zum Alltag. Das ist unter anderem gut gegen Atemnot in der Höhe und bremst das Hunger- und Durstempfinden.
Nachdem die Tour zu Ende waren, ging es ans bezahlen. Unser Fehler, wir hatten vorher nicht nach dem Preis gefragt und mussten uns überraschen lassen. Als die Dame dann 10 verlangte war die Erleichterung groß, denn 10 Bolivianos sind grad mal 1 Euro. Ich zückte also gönnerhaft einen 20 Bolischein und die Miene der Dame verfinsterte sich. Sie hatte eigentlich von Dollar gesprochen. Dies erschien uns utopisch und wir verwiesen auf unsere leeren Taschen und dass wir doch auch nur Gutes über die tolle Mine zuhause berichten wollte. Die Dame wurde auch ganz schnell ganz einsichtig und begnügte sich mit den 20 Bolivianos - mh das war einfach!



Sucre und Touren rund um Sucre

Nach Ururo ging's weiter zu unserem eigentlichen Reiseziel Sucre. Hier absolvierten wir ein zweimonatiges Praktikum in einem Reiseunternehmen. Unsere Arbeit (als angehende Diplom-Geographen) bestand darin, Vorschläge auszuarbeiten, wie man den Tourismus in den umliegenden Indianerdörfern verbessern könnte und in der Erarbeitung einer Wegekarte (die wir mit GPS aufnahmen).
Allerdings war die Situation dort etwas gespannt. In einen Teil des Gebietes konnten wir nicht gehen, da die dortigen Indigenen gerade im Streit mit der Gebietsverwaltung lagen, da sie verhindern wollten, dass eine Zementfabrik ihre Kalkvorkommen abbaut (einfach ausgedrückt - die Probleme waren noch etwas komplexer).

Berglandschaft bei Sucre
Berglandschaft bei Sucre
Doch trotzdem machte die ganze Sache eine Menge Spaß. Wir gingen fast gratis auf Trekkingtouren, die sonst ne ganze Stange Geld kosten. Auf unserer ersten Tour haben wir mit zwei Führen eine neue Route auf einen der höchsten Berge der Umgebung erkundet. Das hieß dann, eine halbe Stunde mit dem Jeep auf einem Feldweg fahren, danach einen Fluss durchwaten und dann ohne erkennbaren Weg 3,5 Stunden bergauf laufen. Oben mussten wir dann sogar noch ein bisschen klettern. Die Aussicht war aber die Mühe wert. Wir waren punkt zwölf auf dem Gipfel und da die Sonne grad im Zenit stand, hieß das absolut NULL Schatten. Als wir wieder unten waren, haben wir dann noch im Fluss gebadet und dabei heiße Quellen entdeckt. Leider tat mir nach der Tour drei Tage lang der Kopf weh (kleiner Sonnenstich, trotz Hut).

Dinosaurierspuren
Dinosaurierspuren bei Sucre
Bei einer anderen Tour sind wir erstmal drei Stunden mit einem völlig überfüllten Bus über "Straßen" (die bei uns als Feldwege gelten würden) in eine kleine Stadt gefahren. Von da aus ein paar Stunden gewandert in ein Nest namens Chullpa, was aus ungefähr dreieinhalb Häusern und einer Schule besteht. In eben dieser durften wir dann übernachten, zwischen zusammengestellten Stühlen und natürlich ohne Licht (weil kein Strom da draußen). Das bedeutete dann um 19 Uhr ins Bett, dazu ein gewaltiges Unwetter, das aussah wie Weltuntergang. Zum Glück hat es nicht die ganze Nacht geregnet, da dies für uns bedeutet hätte, nicht zurückfahren zu können, da der Jeep, der uns abholen sollte, durch den Fluss musste. Am nächsten Tag ging's weiter zu sehr beeindruckenden Dinosaurierspuren, die vor 65 Millionen Jahren in den Schlamm gedrückt worden waren und dann versteinerten. Unser Jeep kam Gott sei Dank zum verabredeten Treffpunkt und heizte dann teilweise mit 80 über die schon erwähnten Fredwege zurück. War also alles in allem ganz spaßig und interessant. Bei der Übersetzung unserer Spanischen Arbeitslektüre konnten wir zudem gleich unsere Sprachkenntnisse verbessern. Das Praktikum war damit sehr nützlich. Auch wenn nicht jede Erfahrung, die wir machten eine gute war, wertvoll waren sie in jedem Fall alle.

Kriminalität

Sucre war insgesamt recht ruhig - da war in Cusco mehr los, aber wir waren ja auch nicht zum feiern sondern zum arbeiten da. Bolivien schien aber doch ein etwas gefährlicheres Pflaster zu sein. Zweimal wurden wir in Sucre fast beklaut, einmal wollte ein kleiner Junge meinem Freund etwas aus seiner Jackentasche zaubern, hat's aber nicht geschafft. Ein anderes Mal wurde mir scheinbar auf meinen Rucksack gespuckt und während mich eine äußerst "nette" ältere Dame darauf aufmerksam machte, wollte mir doch glatt so ein Typ in meine Hosentasche greifen. Hab's natürlich gleich gemerkt und ihn weggeschuppst. Allerdings ist uns erst später klar geworden, dass die ganze Situation von vorne bis hinten gestellt gewesen war. Einem Bekannten ist nämlich genau das gleiche passiert.

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Bolivien im Überblick

  • Amtsprache: Spanisch
  • Einwohner: 9 Millionen
  • Hauptstadt: Sucre, 193.000 Einwohner
  • Währung: Boliviano (Pesos)
  • Vorwahl: +591