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Chiles Weinkultur

Der chilenische Wein ist heut in vieler Munde, auch in Deutschland eroberte er Supermarktregale und Fachhandlungen für edle Weine.
Doch dies war nicht immer so. Die Geschichte des Weins aus Chile begann mit dem Pater Francisco de Carabantes. Er brauchte, um seine katholischen Messen zelebrieren zu können, Wein und brachte aus diesem Grund 1548 die ersten Rebstöcke nach Chile. Den Wein als fertiges Produkt mit Schiffen einzuführen war auf Dauer einfach zu aufwendig, so dass man auch im Land selbst Trauben anbauen wollte.
In der Folgezeit entstanden die ersten chilenischen Weingüter. Allerdings wurden sowohl die Produktionsmengen als auch die Exportgenehmigungen vom spanischen Mutterland stark beschränkt, um den heimischen Weinproduzenten neue Konkurrenten zu ersparen.
Erst nach Erlangen der Unabhängigkeit konnten sich die Produktionsmengen vergrößern. Die Qualität der Weine war allerdings nicht überwältigend.

Eine schlimme Reblausplage, die ab 1863 in Europa wütete, verhalf den chilenischen Weinen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirtschaftlichem Erfolg. Neue Rebsorten (wie z.B. Merlot, Cabernet Sauvignon, Riesling und Pinot), die aus Frankreich eingeführt wurden sowie das Wissen von europäischen Weinbauspezialisten verhalfen den chilenischen Weinen zu einem Qualitätsschub. Zu dieser Zeit entstanden viele der heute noch bedeutenden Weingüter und die Weinproduktion wurde zum einträglichsten Wirtschaftszweig der Landwirtschaft Chiles, da sowohl der Export als auch der Konsum im Land selbst boomten.

Europa war auf Importe angewiesen, nur abgelegene Stellen wie zum Beispiel die Insel Mallorca konnten noch Weinbau betreiben. Doch auch der Weinbau von Mallorca wurde 1889 durch die Reblaus zum erliegen gebracht. Chile jedoch blieb bis heute von dieser Krankheit verschont. Aus diesem Grund werden hier, was weltweit nahezu einmalig ist, noch unveredelte Weinstöcke angebaut. In anderen Weinbauregionen werden veredelte Stöcke angebaut, die auf Wurzelstöcke fremder Sorten aufgepfropft wurden. Ein Fakt, der laut manchem Kenner zur Geschmacksverfälschung führt.

Im 20. Jahrhundert war die weltweite Bedeutung chilenischer Weine zunächst wieder auf einen Tiefpunkt gesunken. Grund dafür waren hohe Steuern, die wegen des überhand nehmenden Weinkonsums der Chilenen eingeführt wurden. Auch neue Anbauflächen wurden begrenzt und man produzierte lange Zeit nur noch für den heimischen Markt.
Liberalisierungen unter Pinochet führten zur Ausweitung des Weinbaus in den 70er und 80er Jahren. Wegen sehr reicher Ernten in den 1980er Jahren verfielen die Weinpreise schlagartig und die großen Weingüter Chiles waren gezwungen ihre Strategie umzustellen. Unter anderem in Zusammenarbeit mit großen europäischen Weingütern produzierte man von da an Klasse statt Masse. Da nur wenige große Unternehmen den chilenischen Weinbau dominieren, war eine rasche Umstellung möglich.

Die Weinwirtschaft boomte aufs Neue. Die qualitativ deutlich aufgewerteten Weine aus Chile fanden viele Abnehmer vor allem in den USA, Großbritannien und Deutschland.